ICF Kanuslalom Weltcup in Prag - Ricarda Funk holt Silber und Bronze im Kayak Cross

07.06.2026 17:11
von Marianne Stenglein

Silber und Bronzemedaille für Ricarda Funk im Kayak Cross

Freud und Leid liegen im Kanuslalom häufig nah zusammen - Sideris Tasiadis hatte in Prag leider etwas Pech aber auch  bei den anderen deutschen C 1 Kanuten war der Wurm drin!

Dafür gab es eine Silbermedaille und eine Bronzemedaille im Kayak Cross (Finale) für Ricarda. Herzlichen Glückwunsch! Im Kajak Einer hatten Noah Hegge und Ricarda Funk jeweils den fünften Platz herausgefahren und unsere Emily Apel den siebten Platz. Starkes Ergebnis auf dieser schwer ausgehängten Strecke!

Alle deutschen Canadierboote verpassen Weltcup-Finale in Prag
 
Es hat beim Weltcup im tschechischen Prag an Übersicht, Souveränität und Ruhe gefehlt. So das Fazit des Cheftrainers nach den Canadier-Wettkämpfen.
Es war ein Kampf gegen das Wasser. Ein Ritt auf der Rasierklinge. Ein Abwägen zwischen Risiko und Sicherheit. Wem dieses Gleichgewicht nicht gelang, der konnte heute, am Samstag, beim Weltcup im tschechischen Prag schon einmal baden gehen. Und so ist es selbst dem erfahrenen Canadierspezialisten Sideris Tasiadis (Kanu Schwaben Augsburg) ergangen. Nicht gerade ein Vergnügen in der Moldau. Allein ihr Geruch bringt so manchen Athleten zum Würgen. „Eigentlich wollte ich kein Moldau-Wasser trinken“, sagte Tasiadis lachend – trotz seines Missgeschicks einer ungewollten Kenterrolle, „es ist ja nicht das sauberste hier“. Doch nicht nur der Routinier ist an dieser selektiv gehangenen Strecke gescheitert, auch alle anderen deutschen Canadierboote verpassten das Finale der Top-Zwölf deutlich. „Es war definitiv nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, resümierte Cheftrainer Thomas Apel. Direkt nach den Läufen sei eine Analyse schwierig, „weil bei den verschiedenen Athleten sicherlich unterschiedliche Ursachen zu suchen sind“. Lobend erwähnte er den Lauf der Weltcup-Debütantin Luci Krech. „Bei allen anderen Booten hätte man, auch aufgrund der Erfahrung, deutlich mehr erwarten können. Ich denke das Race-Setup war nicht optimal eingestellt, wenn ich mir die Anzahl der Strafsekunden anschaue, die jeder Athlet hier in seinem Quali-Lauf gesammelt hat. Ich denke, da muss einfach noch mehr Übersicht, Souveränität, mehr Ruhe hinein. Der Grundspeed stimmt, aber – so sind nun einmal die Regeln, die Strafpunkte werden dazu addiert, und das hat uns heute das Genick gebrochen.“
Gold, Silber und Bronze gingen an Nicolas Gestin (Frankreich), Marko Mirgorodsky (Slowakei) und den Briten Adam Burgess. Den Weltcup-Sieg bei den Damen sichert sich, wie bereits einen Tag zuvor, Jessica Fox aus Australien. Auf die Ränge zwei und drei paddelten Martina Satkova (Tschechien) und die Britin Kimberley Woods.
Bestes Ergebnis aus deutscher Sicht erreichte Nele Bayn (Leipziger KC) mit Platz 21. Die 26-Jährige kassierte sechs Strafsekunden. Clubkameradin Andrea Herzog berührte zwar nur zwei Torstäbe und war auch auf einem sehr guten Weg Richtung Endlauf. Doch vor Tor 17 blieb die 26-Jährige hängen, wo sie viele wertvolle Sekunden verlor. Am Ende bedeutete das Rang 25 für sie. Das Ergebnis der Debütantin Lucie Krech (Leipziger KC) mit Platz 41 in dem 50-köpfigen Feld repräsentiert nicht ihre Leistung. Denn die 21-Jährige zeigte ein beherztes Rennen, was am Ende nicht belohnt wurde. Ihr Kopf war nicht ganz vollständig in Tor zwölf, was mit einer 50-Sekunden-Strafe geahndet wurde. Wie eng es war, zeigte, dass die Jury sehr lange brauchte, um eine finale Entscheidung zu treffen. „Ich denke, es war an sich ein sehr runder Lauf. Ich habe all das, was vorher besprochen wurde, auch so umgesetzt. An Tor zwölf war es einfach ein kleiner Tick zu eng“, sagte die junge Leipzigerin. Vor dem Start sei sie weniger aufgeregt, sondern mehr optimistisch schauend in den Lauf gegangen. Und das werde sie mit Blick auf den Heim-Weltcup in Augsburg nächste Woche auch weiterhin. „Und ich werde natürlich hoffentlich aus meinem großen Fehler lernen, damit ich das in Zukunft vermeiden kann.“
Lennard Tuchscherer (Leipziger KC) war zwar schnell unterwegs, touchierte aber fünf Torstäbe. Mit diesen zehn Strafsekunden war es am Ende Platz 30 für den 27-Jährigen. Timo Trummer (KV Zeitz) hat zwar nur vier Strafsekunden gesammelt, aber der Weg durch den anspruchsvollen Stangenparcours war weit, zu weit für den 30-Jährigen. „Oben bin ich ganz gut gestartet. Hinten heraus hat dann so ein bisschen die Puste gefehlt, muss ich sagen. Ich habe schon ganz schön die Belastung gespürt“, sagte der Zeitzer. Aus Prag nehme er mit, dass er im Vorfeld es doch etwas ruhiger angehen sollte, „damit am Wettkampftag dann die Power da ist“. Aber natürlich stehe eben auch das Training in Vorbereitung auf die WM im Vordergrund. Generell könne er nicht sagen, warum ihn seine Kräfte zum Ende der Strecke verließen, „ich hatte mich eigentlich nicht schlecht gefühlt“.
Routinier Tasiadis fand sich als 59. und damit Letzter auf der Tabelle wieder. Der 36-Jährige war bis zur schwierigen Torkombination elf bis zwölf gut unterwegs. „Ich war eigentlich gut dran. Ich wollte es an der linken Stange von Tor zwölf ein bisschen eng machen. Dazu musste ich mich auf der rechten Kante ein bisschen weit herauslehnen. Und da habe ich die Kante verloren und dann musste ich rollen“, erklärte der Augsburger. „Das ist natürlich suboptimal.“ Zumal er damit die folgenden drei Tore verpasste, verbunden mit 150 Strafsekunden. „So grobe Fehler dürfen nicht passieren“, sagte er selbstkritisch.
Es war eine ganz spezielle Strecke, viel musste gegen die Strömung gearbeitet werden. „Man kommt nicht gut ins Fahren“, sagte Tasiadis. „Ich weiß nicht, ob der Trend gut oder schlecht für unseren Sport ist.“ Aber allgemein sei es nicht viel schwieriger, man trainiere es auch. Sein im vorigen Jahr verletzten Ellbogen habe er inzwischen gut im Griff, aber den dadurch bedingten Trainingsrückstand merke er noch deutlich. Mit Blick auf den weiteren Saisonverlauf sagte der Augsburger, „wenn der Trend mit solchen Streckenhängungen so weitergeht“, müsse er diese Situationen noch viel mehr im Training einbauen. Das gegen die Strömung Fahren trainiere er vielleicht manchmal zu wenig, „weil man ja ins Fahren kommen will. Und wenn man immer gegen das Wasser fährt, verhärten die Muskeln noch schneller“, und bis zur Regeneration dauere es dann noch länger.
Am heutigen Sonntag fanden die Wettkämpfe im Kajak-Cross der Damen und Herren statt. Beginn war um 9.34 Uhr.
 
Ricarda Funk holt Weltcup-Bronze im Kajak-Cross in Prag (Finale)

Es war ein harter Kampf bis zuletzt. In einem Endspurt auf der Zielgeraden sicherte sich Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach & KSA) noch die Bronzemedaille im Kajak-Cross-Finale beim Weltcup im tschechischen Prag am Sonntag. Das Nachsehen hatte dabei die US-Amerikanerin Evy Leibfarth. Gold gewann Camille Prigent (Frankreich) vor Klaudia Zwolinska (Polen). „Ich bin unheimlich glücklich, dass ich mich heute hier durchkämpfen konnte. Ich habe bis zur Ziellinie gekämpft. Ich wusste, es könnte ein Fotofinish werden“, sagte die 34-Jährige. Denn beide Athletinnen hatten nahezu gleichzeitig die beiden letzten, parallel hängenden Aufwärtstore verlassen. Noch Minuten nach ihrem Erfolg hatte die Rheinländerin nach diesem langen Wettkampftag kaum Puste. „Ich bin jetzt noch völlig außer Atem.“

Bester deutscher Mann war an diesem Tag Marten Konrad (WSC Bayer Dormagen), der als einziger die Heats erreicht hatte und sich noch bis zum Viertelfinale vorkämpfen konnte. Dort musste sich der 20-Jährige Ziga Lin Hocevar (Slowenien), Merle Long (Australien) und Finn Butcher (Neuseeland) geschlagen geben. Pech für ihn: Sein Paddel war gebrochen. Sein Fazit des Wettkampes fiel natürlich dennoch positiv aus, hatte er doch schon Bronze im Cross Individual gewonnen: „Im Großen und Ganzen ein voller Erfolg. Es war besser als gedacht, vor allem im Time Trail“, sagte er. Ein bisschen ärgerte er sich, dass er im Viertelfinale nicht näher dran war, „es ist natürlich auch noch doof, wenn das Paddel vor dem letzten Aufwärtstor bricht“. Gold, Silber und Bronze holten Jakub Krejci, Vit Prindis (beide Tschechien) und Mathurin Madore (Frankreich).

Annkatrin Plochmann (SGV Nürnberg-Fürth) paddelte im selben Viertelfinale wie Funk und schied dort aus Vierte aus. Dennoch war es ein guter Auftritt der 24-Jährigen, die sich im Achtelfinale gegen die Ukrainerin Viktoriia Us und Dominika Brzeska (Polen) durchgesetzt hatte.

Für die dritte Heat-Starterin, Andrea Herzog (Leipziger KC), platzten bereits nach dem missglückten Start im Achtelfinale alle Träume auf ein Weiterkommen. Abgeschlagen als Vierte ihres Rennens hatte die 26-Jähre keine Chancen mehr, in den Kampf um die ersten beiden Plätze einzugreifen.

Weltcup Prag: Silber und Bronze im Cross Individual

Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach & KSA) und Weltcup-Debütant Marten Konrad (WSC Bayer Dormagen) holen Silber und Bronze im Cross-Einzelzeitfahren beim Weltcup im tschechischen Prag am Sonntag. Ganz stark und überraschend dabei die Leistung von Konrad, der sich quasi in letzter Sekunde bei der nationalen Qualifikation für das WM-Team qualifizieren konnte. Rund eine Stunde musste der 20-Jährige warten und konnte zuschauen, wie starke, erfahrene Paddler nicht an seiner Zeit auf der schwierigen und langen Strecke nicht vorbeikamen. Am Ende musste er lediglich dem Italiener Giovanni de Gennaro und Joseph Clarke den Vortritt lassen. Konrad hatte so gar nicht mit diesem Ausgang gerechnet: „Es war aufregend und überraschend. Ich war nur die letzten zehn Minuten in der Leadersbox. Ich war schon in Straßenklamotten und musste mich für die Siegerehrung noch mal umziehen“, denn zur Siegerehrung muss man in Paddelsachen erscheinen. Selbstkritisch bemerkte er zu seinem Lauf, „eigentlich gab ein noch ein, zwei Sachen, die ich hätte besser machen können“. Aber vor allem die Befahrung des letzten Auswärtstores sei ihm sehr gut gelungen. Ricarda Funk verpasste um 0,07 Sekunden Gold, das sich die Tschechin Katerina Bekova sicherte. Bronze ging an Marjorie Delassus aus Frankreich. „Ich bin total happy. Cross ist ja ein bisschen meine Wackeldisziplin“, sagte die 34-Jährige. „Man weiß nie so richtig, was herauskommt, selbst beim Time Trial nicht.“ Die Tore, speziell die Aufwärtstore seien schwer zu befahren gewesen. „Ich war sehr aufgeregt und habe mich aber durchgekämpft. Der Zielspurt war sehr lang.“ Am Ende sei sie sehr überrascht über ihre Zeit gewesen.

Neben Funk und Konrad konnten sich auch Andrea Herzog (Leipziger KC) und Annkatrin Plochman (SGV Nürnberg-Fürth) mit den Plätzen neun und 18 für die Kopf-an-Kopf-Rennen qualifizieren.

Die Cross-Strecke war in Prag diesmal ungewöhnlich lang. Und vor allem das letzte Tor, ein Aufwärtstor brach einigen Paddlern das Genick. So auch leider dem zweiten deutschen Weltcup-Debütanten, Felix Sachers (Leipziger KC). Der 19-Jährige war auf einem richtig guten Weg Richtung Heats, traf aber das letzte Tor nicht passgenau und ließ viele wertvolle Sekunden liegen. Am Ende bedeutete das Rang 50 für den Leipziger. Cross-Routinier Stefan Hengst (KR Hamm) hatte auf der gesamten Strecke Zehntel um Zehntel verloren. Der 32-Jährige lag bereits in der dritten Zwischenzeit, vor dem letzten Tor, weit zurück. Mit Platz 36 verpasste er die Kopf-an-Kopf-Rennen der besten 32 Paddler.

Marianne Stenglein / Kanu Schwaben Augsburg / 7.6.2025 Texte und Fotos DKV Uta Büttner
 

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