Kanuslalom - Augsburger Nachwuchs überrascht bei Nationalmannschafts-Qualifikation

04.05.2026 16:25
von Marianne Stenglein

Kayak Cross Nachwuchs Bitsch und Neumann im WM U 18 Team

Nachdem Noah Hegge im Kajak-Cross haarscharf die Qualifikation für die Nationalmannschaft verpasst hat, holen zwei junge Schwabenritter das Eisen zumindest in der U18-Alterklasse aus dem Feuer. So gelingt es Samuel Bitsch (16) und Matti Neumann (17) das Ticket für die U18-WM im polnischen Krakau zu lösen.


Zum Abschluss der Sichtungswettkämpfe des Deutschen Kanu Verbandes (DKV) lief es für die Augsburger Kanutinnen und Kanuten nicht so rund wie gewohnt. Am Sonntag wurden die Plätze in den Nationalmannschaften im Kajak-Cross ausgefahren. Bei der jungen Disziplin, die 2024 erstmals olympisch war, starten jeweils vier Sportler gleichzeitig. Aus den lokalen Vereinen schaffte kein Athlet den Sprung in die Kajak-Cross-Teams der Leistungsklasse. Besonders überraschend: Lokalmatador Noah Hegge, der in Paris die Olympia-Bronze in dieser Disziplin errungen hatte, patzte im zweiten von zwei Durchgängen und qualifizierte sich dadurch nicht für die Weltmeisterschaft in Oklahoma (USA).

In diesem Jahr richtete der DKV die Kajak-Cross-Qualifikation erstmals losgelöst von den Slalomwettkämpfen aus. In den vergangenen Jahren waren noch erfolgreiche Athleten aus dem Kanuslalom auch im Kajak-Cross gesetzt. Umso umfangreicher und anstrengender fiel die »Quali« diesmal für die Athleten aus. Nach zwei Einzelzeitläufen, die bereits am vergangenen Wochenende in Markkleeberg stattfanden, zählten am Sonntag in der Gesamtwertung noch die Head-to-Head-Läufe mit zwei Semifinals und Finals. Aus den vier Ergebnissen mit einem Streichwert ergab sich die Gesamtwertung im Kajak Cross. Und das nach einem anspruchsvollen Wettkampfpensum: An den beiden Wochenenden wurden die Slalom-Nationalmannschaft-Plätze in insgesamt acht Wettkämpfen ausgefahren.

Nach ihrem Triumph in der Slalom-Gesamtwertung am Samstag setzte sich Olympiasiegerin Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach) auch im Cross durch und wird Deutschland auch in dieser Disziplin bei der Weltmeisterschaft vertreten. Funk hatte 2025 den Gesamtweltcup im Cross gewonnen. Die 34-Jährige sprach nach den Wettkämpfen von einer mental fordernden Qualifikation: »Es waren mental zwei sehr belastende Woche. Quali ist Pflichtprogramm, da hängt sehr viel dran. Der Cross-Tag heute war sehr lang, sehr anstrengend und zermürbend. Und es ist immer unvorhersehbar, was da passiert. Dementsprechend bin ich erleichtert und froh, dass ich das dieses Jahr so gut runtergebracht habe.«

Weniger erfolgreich lief der Abschlusstag für Noah Hegge (Kanu Schwaben Augsburg). Dabei war er mit einer guten Ausgangslage in die Head-to-Head-Läufe gestartet: Aus Markkleeberg bracht er einen zweiten und einen fünften Platz mit. Und auch das erste A-Finale am Sonntag konnte der Kajakspezialist für sich entscheiden. Im zweiten Durchgang patzte er jedoch im Semifinale und musste ein Tor neu anfahren. Das A-Finale erreichte Hegge damit nicht mehr. Das nutzte die Konkurrenz aus und zog in der Gesamtwertung an ihm vorbei. Auch Emily Apel (Kanu Schwaben Augsburg) konnte sich mit einem fünften Platz im Zeitlauf und einem fünften und einem vierten im Head-to-Head nicht gegen die starke Konkurrenz durchsetzen. Hegge und Apel werden die internationalen Höhepunkte allein im Kanuslalom bestreiten.

Stefan Hengst (KR Hamm), der auch im Augsburger Kajakverein Mitglied ist, machte es besser und qualifizierte sich neben dem Slalom auch im Cross für die WM in Oklahoma. Der 32-Jährige trainierte im Winter ohne Trainer, zudem hielten ihn mehrere Krankheitsphasen von einem kontinuierlichen Trainingsaufbau ab. Umso erstaunlicher, dass Hengst sich bei dem anstrengenden Wettkampfpensum behaupten konnte.

»Ich mache den Sport ja schon ein paar Jahre und weiß, was meinem Körper guttut und was ich brauche. Die letzten zwei Wochen haben mit dem neuen Quali-Modus aber extrem geschlaucht. Man musste im Slalom sechs gute Läufe runterbringen und dann noch zwei Tage im Cross bestreiten. Das war die anstrengendste Quali, die ich je gefahren bin. Ich bin froh, wenn ich heute Abend ins Bett gehe und dann einfach mal ausschlafen kann.« Die Trainer hatten sich nach der WM 2025 aufgrund seines Alters gegen eine weitere Förderung von Hengst ausgesprochen. Nun setzte er sich erneut gegen die jüngeren Paddler durch. »Dass ich Boot fahren kann, steht außer Frage. Die Diskussion, welche Athleten gefördert werden und welche nicht, hatten wir in den vergangenen Jahren schon oft. Aber solange ich noch Spaß daran habe und mich die Jüngeren nicht schlagen, werde ich weiter durchziehen. Mein Fernziel sind die Olympischen Spiele 2028, bis dahin werde ich definitiv weiterpaddeln«, stellte Hengst klar.

Der Augsburger Nachwuchs sorgte mit einem starken Auftritt für einen Lichtblick: Bei den U18-Jungen im Kajak-Cross konnten sich mit Matti Neumann und Samuel Bitsch gleich zwei Paddler von den Kanu Schwaben Augsburg qualifizieren. Neumann musste nach einem siebten und einem zweiten Platz in Markleeberg zumindest noch ein sehr gutes Ergebnis in Augsburg einfahren. Mit einem Sieg im zweiten Durchgang gelang ihm das überragend. Im Ziel entfuhr dem jungen Sportler ein lauter Freudenschrei. Samuel Bitsch brachte einen zweiten und einen fünften Platz aus Ostdeutschland mit und setzte seine konstante Leistung mit Platz vier und drei in Augsburg fort. Sie werden gemeinsam mit Kilian Käding (LKC Leipzig) an den Junioren-Weltmeisterschaften im polnischen Krakau starten.

Zusätzlich hofft auch Jonas Büchner (Augsburger Kajakverein) auf eine Teilnahme an der U23-Weltmeisterschaft im Kajak Cross. Im Slalom hatte er sich bereits qualifiziert. Da sich allerdings zwei U23-Fahrer für die WM der Leistungsklasse qualifiziert haben, ist noch unklar, welche Fahrer das U23-Team bilden werden. Hier steht noch eine Entscheidung des Trainerrats aus.

Nach zwei intensiven Quali-Wochenenden spricht Chefbundestrainer Thomas Apel die enorme Belastung für die Sportler an. »Das haben wir bewusst so angesetzt. Letztes Jahr bei der Weltmeisterschaft haben die Wettkämpfe an sechs Tagen aufeinander stattgefunden. Die Athleten mussten die Anspannung bis zum Schluss halten. Das Feedback der Sportler war, dass der Umfang der Läufe sehr ermüdend war. Deshalb haben wir diese Aufgabe bei der Sichtung bewusst gestellt, weil wir zum internationalen Höhepunkt genau dieses Stehvermögen brauchen.«

Für die A-Nationalmannschaft im Slalom geht es in einer Woche bereits ins Trainingslager nach Oklahoma, dafür werden sie den ersten Weltcup der Saison in Tacen auslassen. Die Kajak-Cross-Sportler, die nicht auch im Slalomteam sind, werden jedoch in Tacen starten. Zum Weltcup in Augsburg am 12. bis 14. Juni wird das gesamte A-Team um die Medaillen kämpfen. Hier werden unter den rund 120 Startern aus 30 Ländern internationale Sportstars wie etwa die Australierin Jessica Fox erwartet.

INFOS ZUM ICF WELTCUP IM KANUSLALOM AM EISKANAL VOM 12. BIS 14. JUNI:

Internationaler Kanu-Spitzensport ist Mitte Juni auf dem Eiskanal zu erleben, wenn sich die Weltelite im Wildwasserslalom hier zum 3. Weltcup-Rennen der Saison und in Kajak und Canadier sowie im Kajak Cross um Bestzeiten und Weltcup-Punkte kämpft. Der vorläufiger Zeitplan ist:

Freitag, 12. Juni ab 12 Uhr: Qualifikation Kanuslalom Kajak Damen und Herren, ab ca. 16 Uhr Finale, 18 Uhr Siegerehrung

Samstag, 13. Juni ab 11 Uhr Qualifikation Kanuslalom Canadier Damen und Herren, ab ca. 14 Uhr Finale, 16 Uhr Siegerehrung

Sonntag, 14. Juni ab 9.30 Uhr Kayak Cross Individual (Einzelrennen), ab ca. 14 Uhr Kayak Cross Elimination Phase (Ausscheidungsrennen, drei oder vier Kanuten starten gleichzeitig), 16:30 Uhr Siegerehrung

Tickets: 15 € regulär, 10 € ermäßigt, Kinder unter 14 Jahren frei

Event-Ticket: 3 Tage kommen, 2 Tage bezahlen

Familienkarte (bis zu 2 Erwachsene + beliebig viele Kinder U18) pro Tag 30 €

Ticketshop:

https://www.universe.com/events/icf-canoe-slalom-world-cup-augsburg-2026-tickets-2TKV0Z

Mehr Infos:

https://www.eiskanal-augsburg.de/kanu-veranstaltungen/icf-canoe-slalom-world-cup/

WEITERE KANU-EVENTS AM EISKANAL IN 2026

12. – 14. Juni 3. ICF Canoe Slalom World Cup

27. – 28. Juni Stechpaddel-Festival / Boot & Spiele / Baramundi-Cup

3. – 5. Juli ECA-Junior-Cup der European Canoe Association (ECA) für U18

Weitere Infos zu diesen Veranstaltungen finden Sie, soweit sie schon vorliegen, im Internet unter https://www.eiskanal-augsburg.de/kanu-veranstaltungen/

Marianne Stenglein / Kanu Schwaben Augsburg / 4.5.2026 Text KSA Presse Anna Faber/Michael Neumann/Hermann Schmid, Fotos M. Neumann

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