»Viel besser kann es nicht laufen«: Ricarda Funk zündet Feuerwerk auf dem Eiskanal
15.06.2026 23:50
Beinahe gelingt Ricarda Funk das Triple beim Heimweltcup.
ICF Weltcup Kanuslalom in Augsburg
»Viel besser kann es nicht laufen«: Ricarda Funk zündet Feuerwerk auf dem Eiskanal
Deutsche und internationale Topkanuten kämpften in Augsburg um Weltcupmedaillen. Beinahe gelingt Ricarda Funk das Triple beim Heimweltcup.
Ricarda Funk hat beim Heimweltcup in Augsburg gezeigt, dass sie in Augsburg nahezu unschlagbar ist. Die 34-Jährige, die in Augsburg lebt und trainiert, paddelte sich am Wochenende zweimal ganz nach oben aufs Siegertreppchen. Nach ihrem Triumph im Slalom am Freitag setzte sie sich am Sonntag ebenfalls gegen die Konkurrenz im Einzellauf im Kajak Cross durch. Im Head-to-Head war sie ebenfalls stark unterwegs und sicherte sich vor jubelnden Fans einen der vier hart umkämpften Plätze im Finale. Dort reichte es letzten Endes knapp nicht für eine Medaille, es blieb bei Platz 4. Doch der Reihe nach.
Am Sonntagvormittag standen die sogenannten Time Trials, also Einzelläufe, im Kajak Cross an. Hier hatte die Olympiasiegerin von Tokio bereits eine Woche zuvor in Prag Silber gewonnen. Dass sie sich auf dem Eiskanal noch besser auskennt, zeigte bereits die erste Zwischenzeit: Über eine Sekunde hatte Funk schon vor dem ersten Tor der Konkurrenz abgenommen. Mit ihrem gewohnt druckvollen und aggressiven Paddelstile attackierte sie die mit Luft und Wasser gefüllten Kajak-Cross-Tore. Bei der Ausfahrt aus dem letzten Aufwärtstor verlor sie jedoch kurzzeitig den Druck am Paddel und damit die Geschwindigkeit. Das kostete wertvolle Zeit. Im Ziel war sie den Wimpernschlag von zwei hundertstel Sekunden schneller als die Tschechin Tereza Kneblova. Das zweite Gold für Funk nach dem fulminanten Triumph im Slalom am Freitag.
Am Sonntagnachmittag standen dann die K.o.-Runden im Kajak Cross an. Von den Heats, über Viertelfinale, ins Semifinale und Finale: Runde für Runde kämpfte sich Funk weiter. Im Finale erwischte sie dann einen schweren Start, wurde noch vor der Einfahrt in den Eiskanal in das langsamere Wasser geschoben. Doch sie kämpfte sich hinter Kneblova auf Position zwei. Die Fans schlugen mit den Handflächen auf die Webebanden beidseits des Kanals und feuerten Funk den Kanal hinunter an. Am ersten Aufwärtstor schob sich jedoch die US-Amerikanerin Evy Leibfarth an Funk vorbei. Am zweiten Aufwärtstor drängte sich noch Alena Marx (Schweiz) an Funk vorbei, sodass der deutschen Ausnahmeathletin nur der vierte Platz blieb.
Nach dem Finale ordnete Ricarda Funk ihren Lauf ein: »Ich denke, dass ich die eine oder andere Passage besser hätte managen können. Es war ein Kraftakt. Und unten habe ich vielleicht taktisch nicht die richtige Entscheidung getroffen. Im Cross ist das Frustrierende, dass man nicht alles selbst in der Hand hat. Man ist ein bisschen davon abhängig, was die anderen machen.« Doch die beiden Goldmedaillen halfen ihr über die kleine Enttäuschung hinweg: »Ich bin insgesamt absolut zufrieden mit dem Wochenende. Zweimal Gold, einmal vierter Platz – ich glaube, viel besser kann es nicht laufen. Drei von drei wäre auch ganz schön hart gewesen.«
Bei den Herren im Kajak-Cross war es einmal mehr Stefan Hengst, der ebenfalls eine starke Leistung zeigte. Mit dem 16. Platz im Time Trial qualifizierte er sich solide für die K.o.-Runde der besten 32 Starter. Dort gelangte er bis ins Semifinale, schied dann jedoch knapp aus. Am Ende bedeutet das für ihn Platz fünf. »Es ist sehr cool, hier beim Heimweltcup wieder am Start zu sein. Heimisches Publikum, super Atmosphäre, schönes Wetter: Da will man natürlich gerne im Finale sein. Aber der Weg dahin ist auch sehr schwer, die internationale Konkurrenz ist sehr stark. Man kann keinen auf die leichte Schulter nehmen. Deswegen bin ich mit dem fünften Platz jetzt sehr zufrieden. Für die WM zeigt das auch in die richtige Richtung.« Nach dem siebten Platz im Slalom am Freitag zeigt sich Hengst damit bei der letzten Probe vor der Weltmeisterschaft in Schlagdistanz zur Weltspitze.
Am Samstag hatte Sideris Tasiadis für eine Top-Platzierung im Canadier gesorgt. Der Olympiamedaillengewinner von London und Tokio hatte sich sogar mit dem ersten Platz im Vorlauf für das Finale qualifiziert. Dort berührte er dann eine Torstange im oberen Streckenabschnitt, die ihm die Bronzemedaille verwehrte. »Im Finale muss man noch mal eine Schippe oben drauflegen. Die Berührung der Stange an Tor 2 war ein Leichtsinnsfehler, eigentlich hätte ich auch ein bisschen früher drehen können. Aber nach einem Jahr wieder in einem Finale zu stehen ist eigentlich ganz gut.« Beim vergangenen Weltcup in Augsburg im September 2025 hatte Tasiadis sich am Ellbogen verletzt und konnte erst verspätet in die Saisonvorbereitung starten. Mit seiner Performance auf dem Eiskanal zeigte er jedoch, dass er wieder vorne mitfahren kann. Sein Selbstbewusstsein ist ungebrochen. »Jetzt mit so einem Ergebnis hier spricht ja alles dafür, dass man bei der WM auch eine Medaille rausholen kann – oder auch gewinnen.«
Sieger im C1 wurde etwas überraschend der Italiener Raffaello Ivaldi. In Augsburg startete Ivaldi schon als Jugendlicher, konnte hier jedoch nie eine Medaille gewinnen. Sein letzter Weltcupsieg ist drei Jahre her. Bereits in jungen Jahren sei er ein Fan von Tasiadis gewesen, erzählte er nach seinem Sieg: »Sideris ist eine Legende, ich habe in meiner Jugend immer zu ihm hochgeschaut. Er ist ein großartiger Sportler. Ich wollte alles reinwerfen, wie er es auch macht. Ich würde sagen, erst wenn man hier in Augsburg ein Rennen gewinnt, ist man als Kanufahrer komplett. Auch weil es so ein geschichtsträchtiger Ort ist. Ich habe immer davon geträumt, hier eine Medaille zu holen. Deshalb bin ich jetzt sehr glücklich.« Silber und Bronze gingen an den Briten Adam Burgess und den Slowaken Matej Benus.
WEITERE KANU-EVENTS AM EISKANAL IN 2026
27. – 28. Juni Stechpaddel-Festival / Boot & Spiele (Kajak Cross für alle)
3. – 5. Juli ECA-Junior-Cup der European Canoe Association (ECA) für U18
Weitere Infos zu diesen Veranstaltungen finden Sie, soweit sie schon vorliegen, im Internet unter https://www.eiskanal-augsburg.de/kanu-veranstaltungen/
Marianne Stenglein / Weltcup Augsburg Presse /Text: Anna Faber / Fotos: Michael Neumann









